Mut zum Vertrauen

 

Vertrauen wieder erarbeiten – Wie geht das? In meiner Arbeit an Schulen höre ich es immer noch. Schüler_innen berichten darüber, dass, wenn sie etwas angestellt haben, sie sich ihr Vertrauen er-ARBEITEN sollen. Wie soll das gehen? In meiner Kindheit habe ich nach so einer Aussage gesagt: „Ist der Ruf erst ruiniert….!“. Wie wäre es, wenn man den Schüler_innen sagt, wie man sich fühlt. Dass man sehr sauer ist und auch enttäuscht aber dennoch an sie glaubt. Ich habe mich immer wieder gefragt, was ich als 14-jähriger vollpubertärer junger Mann dazu gesagt hätte. Ich wäre sehr erstaunt gewesen und hätte dennoch versucht diesen Vertrauensvorschuss wieder auszugleichen, indem ich mich zusammenreiße.

Jetzt ist es so, dass einige Schüler_innen ein paar Anläufe dafür brauchen. Denn für sie ist ihre „Rolle“ zu einem Weltbild geworden. Wenn man nun etwas anders macht, sind sie misstrauisch und werden genau prüfen, ob es nur eine Phase ist oder, ob sich die Haltung des Lehrenden wirklich verändert hat. Vertrauen bekommt man sehr oft nur über Vertrauen. Und das heißt, auch für den Lehrenden, etwas von sich geben und das Risiko eingehen verletzt zu werden. Hinlänglich bekannt ist, wie sehr die Bindung oder auch Beziehung zur Lehrkraft entscheidend für die Lernbereitschaft der Schüler_innen ist.

Die Reziprozitätsregel kann meines Erachtens gut angewendet werden. Nach dieser Regel strebt eine Person die etwas ohne ihr zutun bekommen hat danach dieses wieder auszugleichen (Dennis Regan, 1971). Auch die Soziologie spricht hier auch von Reziprozität (Tit for Tat). Diese Erkenntnisse sind nicht neu und dennoch gibt es große Ängste seitens der Lehrer_innen. Ich will nicht sagen, dass die Gefahr nicht vorhanden ist, aber oftmals ist sie nicht so groß, wie sie zu sein scheint. Also bedarf es einer Menge Mut und auch Selbstvertrauen, zu seinen Schwächen zu stehen und seinen Schüler_innen etwas anzuvertrauen. Optimaler Lernerfolg findet auf einer Subjekt-Subjekt Ebene statt.

Ein gutes Beispiel hierfür ist ein Seminar, das ich vor 3 Monaten geleitet habe. Ich habe der Lehrerin geraten etwas von sich Preis zu geben. Sie ist während den drei Tagen Schritt für Schritt aus sich herausgekommen und hat Ihren Schüler_innen gezeigt, dass auch sie nur ein Mensch ist mit Stärken und Schwächen, mit Freude und Angst. In der Abschlussrunde bekam die Lehrerin Feedback von ihrer Klasse. Wochen später bekam ich einen Anruf. Die Lehrerin berichtete mir von ihren Erlebnissen. Sie meinte, sie  habe noch nie eine Klasse so schnell kennen gelernt. Die Beziehung zu den Schüler_innen ist so stark wie noch nie. Sie hatte große Angst ihre Autorität zu verlieren. Diese Ängste waren im Nachhinein unbegründet, so die Lehrerin.

Solche Gespräche habe ich nicht selten. Die Herausforderung ist es, den Lehrer_innen den Mut zu geben, dieses Wagnis einzugehen.

Wenn ich also eine Verhaltensänderung bei jungen Menschen erreichen möchte muss ich ihnen das nötige Vertrauen geben und ihnen mit Wertschätzung begegnen. Wenn dies auf einer Subjekt-Subjekt Beziehung geschieht, ist die Wahrscheinlichkeit einer Veränderung groß. Ohne Vertrauen bleibt es wie es ist!

1 Antwort
  1. Andreas Luckey
    Andreas Luckey says:

    Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
    Dieser Satz stammt von Lenin, der damit einen Überwachungsstaat rechtfertigte. Wir sollten uns also fragen, ob wir nicht lieber das Vertrauen in den Vordergrund stellen wollen. Also nur Mut zum Vertrauensvorschuss!

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